Fachtag „Interkulturelle Erziehungsstile“ mit 180 Teilnehmenden brachte Impulse für die Praxis

Vom Achten und Verstehen von Gleichheit und Differenz

In ihrer Begrüßung zum Fachtag „Interkulturelle Erziehungsstile – Impulse für die Praxis“ lobte Prof. Dr. Cornelia Reifenberg, Beigeordnete für  Kultur, Schulen, Jugend und Familie der Stadt Ludwigshafen, den „guten Riecher“, den die Familienbildung und der Bereich Jugendförderung und Erziehungsberatung der Stadt mit der Entscheidung für dieses Thema für einen gemeinsamen Fachtag bewiesen habe. Ein Blick auf die Statistik zeige, dass sich das Bild Ludwigshafens in den nächsten Jahren durch Menschen mit Migrationshintergrund weiter verändern werde.

Rund 180 Fachkräfte aus verschiedenen Arbeitsfeldern waren gekommen, um sowohl theoretisch als auch praxisbezogen Interkulturalität und Erziehungsstile in den Blick zu nehmen. Ziel war es, Konfliktpotentiale, Gelingensfaktoren und Schlüsselkompetenzen zu eruieren, Gemeinsamkeiten und Unterschiede in Erziehungsstilen zu entdecken und Möglichkeiten zu finden, Fachkräfte und Eltern durch Sensibilisierung zu stärken.

Dem dienten auch die zwei Fachvorträge von Dr. Noémi Hermeking und Prof. Dr. Haci-Halil Uslucan als Einstieg. Die Anthropologin und Ethnologin Hermeking erzählte aus eigener Erfahrung, in welche „Fettnäpfchen“ sie im Laufe ihrer Ausbildung und Tätigkeit schon gestolpert sei. Sie selbst habe durch Auslandsaufenthalte viele Fremdheitserfahrungen gemacht. Daraus resultierend  möchte sie heute als interkulturelle Trainerin Fachkräfte dazu befähigen, besser zwischen Kulturen zu vermitteln. Dazu bedarf es auch einiges Wissen und Verstehen, um auf unterschiedliche Situationen angemessen reagieren zu können. Dann führe interkulturelle Kompetenz zu interkultureller Öffnung. Ebenso wichtig sei jedoch auch die Haltung in diesem Zusammenhang: Dann führe Willkommenskultur zu Anerkennungskultur.

Die Referentin griff damit auf, was Ulrike Gentner, Leiterin der Familienbildung im HPH, in ihrer Begrüßung bereits gesagt hatte: Das Thema „Interkulturelle Erziehungsstile“ basiere auf einer Haltung und bestimmten Werten, auf dem Achten und Verstehen von Gleichheit und Differenz. Zudem, so Ulrike Gentner, sei Kreativität gefragt in der Begegnung mit anderen Kulturen.

Seit über 20 Jahren ist der Entwicklungspsychologe Prof. Dr. Haci-Halil Uslucan mit seiner Erfahrung ein gefragter Fachmann, wenn es um Interkulturalität geht. Er erläuterte anschaulich, was Kinder aus entwicklungspsychologischer Sicht für eine gesunde Entwicklung brauchen, und wie sich elterliche Erziehung darauf auswirkt. Im interkulturellen Vergleich von verschiedenen Erziehungsstilen machte er deutlich, dass ein autoritativer Erziehungsstil – viel Liebe, aber auch viele Grenzen setzen – nicht kulturell übertragbar sei. Er plädierte dafür, die Ressourcen von Familien in den Blick zu nehmen und sie zu fördern.

In den anschließenden Workshops konnten die Teilnehmenden dann einige Aspekte vertiefen. Dabei ging es die Themen:

  • Hürden und Gelingen in Erziehungspartnerschaften – interkulturell reflektiert
  • Interkulturelle Sensibilisierung für Kinder
  • Das Eigene und das Fremde – für Perspektivwechsel sensibilisieren
  • Unterschiede in den Erziehungsvorstellungen: Beobachtungen des Kinder- und Jugendbürosbei mobilen Spieleinsätzen und der Stadtranderholung
  • Erziehung und Entwicklung im interkulturellen Kontext
  • Konfliktlösung interkulturell.

„Der heutige Fachtag hat sein Ziel, Impulse für die Praxis zu setzen, sehr gut erreicht und wird in der pädagogischen Arbeit, Kindern die Wertschätzung und den Respekt für andere Kulturen zu vermitteln, nachhaltig wirken“; freute sich Sabine Heiligenthal, Leiterin Jugendförderung und Erziehungsberatung der Stadt Ludwigshafen, in ihrem Resümee.
Am Ende gingen die Teilnehmenden mit der Erkenntnis, dass Vielfalt und würdevoller Umgang mit Diversität zwar eine alltägliche Herausforderung darstellen, aber zugleich eine Bereicherung der Gesellschaft und des alltäglichen Lebens.

Bildnachweis: Das Bild auf dem Veranstaltungsflyer wurde gemalt von Kindern und Jugendlichen im Rahmen eines kunsttherapeutischen Projekts der Beratungsstelle für Kinder, Jugendliche und Eltern in Kooperation mit dem Wilhelm-Hack-Museum.

brid / 06.12.2017

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