Marte Meo-Fachtag mit Maria und Josje Aarts zum Thema: „Lehren und Lernen im Einklang“

„…. und das Bestätigen nicht vergessen!“

Struktur geben und gute Atmosphäre schaffen – beides muss in Einklang sein, sagt Josje Aarts, Direktorin von Marte Meo International Education. Gemeinsam mit ihrer Schwester Maria Aarts, Begründerin des Marte Meo Ansatzes, war sie zum Fachtag bei der Familienbildung im Heinrich Pesch Haus. Die siebte Veranstaltung dieser Art mit Maria Aarts in der Metropolregion Rhein-Neckar stand in diesem Jahr unter dem Thema „Lehren und Lernen im Einklang“.

400 Mitarbeitende in pädagogischen Berufen wollten erneut hören, was die charismatische Maria Aarts und ihre Schwester Neues zu erzählen hatten. „Marte Meo entwickelt sich immer weiter, und dank des großen Netzwerks weltweit können wir alle viel voneinander lernen“, ist Maria Aarts gar nicht überrascht über die nach wie vor große Resonanz in Ludwigshafen und weit darüber hinaus auf ihre Veranstaltungen.

„Marte Meo“ heißt wörtlich übersetzt „aus eigener Kraft“. Maria Aarts entwickelte ihre Methode vor mehr als 40 Jahren. Kurz beschrieben handelt es sich um ein videogestütztes Beratungsangebot. Menschen, die pädagogisch oder therapeutisch tätig sind, werden in Interaktionen gefilmt und können so selbst sehen, warum sich bestimmte Situationen gut oder nicht so gut entwickelt haben. Die Videosequenzen können auch Anderen als Lehrbeispiele gezeigt werden, um beispielhaft zu verdeutlichen, wie Interaktion und Kommunikation gelingen.

Das Ludwigshafener Zentrum für individuelle Erziehungshilfen (LuZiE) ist einer der Kooperationspartner der Familienbildung beim Fachtag Marte Meo. Von den fast 100 pädagogischen Fachkräften sind inzwischen über 80 als Praktiker, als Trainer oder Supervisor ausgebildet, berichtet Sabine Buckel, Leiterin von LuZiE. Anke Quinten, Abteilungsleiterin ambulante erzieherische Hilfen, berichtet, wie Marte Meo beispielsweise in der Beratungsarbeit für Frühe Hilfen Anwendung findet: „Wenn junge Mütter lernen, wie sie ihre Kinder in der Entwicklung unterstützen können, sparen wir später viel an Beratungsarbeit und Intervention.“  Dabei gehe es nicht vorrangig um finanzielle Erwägungen, sondern vor allem um gelingendes Familienleben und gesundes Aufwachsen.

Marte Meo könne auch beim Bewältigen von Hausaufgaben helfen, erklärt Josje Aarts: Kindern zu sagen, sie sollten nun mit der Arbeit beginnen, könne sie leicht überfordern. Stattdessen solle man ihnen die einzelnen Schritte erklären: Die Aufgaben erkennen, alle Utensilien richten, und für jeden einzelnen Schritt loben und bestätigen – „so geht das Kind am nächsten Tag mit viel mehr Selbstvertrauen in die Schule, weil es nicht nur die Hausaufgabe erledigt hat, sondern auch das Gefühl hat, dass es sie alleine und gut bewältigt hat“, verspricht Maria Aarts.

Auch Lehrer können von der Methode lernen, sind die Schwestern einig – und ums Lehren ging es ja in diesem Fachtag: „Lehrer können aus den Videosequenzen erkennen, was bei den Kindern ankommt: ihre Verunsicherung und Nervosität, oder wenn sie zu viel Spaß erlauben.“ Kinder mit besonderen Bedarfen brauchen auch Lehrer mit besonderen Fähigkeiten, und sie müssen sich individuell auf die Kinder einstellen, fordert Josje Aarts.

Natürlich und mit viel Witz erläutert Maria Aarts beispielhaft, wie es gelingen kann, eine an Demenz erkrankte Frau zu ermutigen, sich die Haare waschen zu lassen – kooperativ zu sein, auch wenn viele Kompetenzen verloren gegangen sind: „Du musst ihr genau erklären, was du tust. Ihr zeigen, wie das Wasser sich anfühlt, und wie gut das Shampoo riecht“, sagt sie. Und auch hier: nach jedem erfolgreichen Schritt das Bestätigen nicht vergessen.

Ulrike Gentner, Leiterin der Familienbildung im HPH, schätzt das gewachsene Netzwerk Marte Meo, zu dem auch Sabine Herrle, Leiterin von Marte Meo Pfalz, gehört. „Marte Meo ist so einfach und macht gerade deshalb Lust, damit zu arbeiten“, betont sie. Die Methode wird inzwischen in 50 Ländern weltweit angewandt, in ganz verschiedenen Projekten und Situationen, man vernetzt sich digital und hilft so, dass Fachkräfte in allen sozialen Berufen ihre Augen öffnen für die Menschen, mit denen sie arbeiten, und ihren Blick schärfen für deren Bedürfnisse. „Und jeder Fachtag bringt wieder neue Impulse dafür“, betont sie.

Foto © HPH: Josje (links) und Maria Aarts

brid / 28.06.2017